Ich wohne gern mit anderen zusammen, aber mit 30 brauche ich eine andere WG als mit 20.
Ich möchte keine Putzplan-Grundsatzdiskussion, keine drei unbekannten Leute auf dem Sofa am Dienstagmorgen und auch nicht herausfinden, wer seit einer Woche einen Topf „einweicht“.
Zusammen wohnen: gerne.
Studentenwohnheim Staffel 14: eher nicht.
Spätestens wenn Partner regelmäßig übernachten, merkt man, dass eine WG faktisch mehr Bewohner haben kann als im Mietvertrag stehen.
Ein Abendbesuch ist etwas anderes als vier Nächte pro Woche Küche, Bad und Waschmaschine mit einer zusätzlichen Person zu teilen. Darüber vorher zu reden ist wahrscheinlich angenehmer als beim fünften gemeinsamen Frühstück.
Nach einem Jobwechsel in eine neue Stadt sofort allein eine perfekte Wohnung zu suchen, kann ziemlich viel auf einmal sein.
Ein WG-Zimmer für ein halbes Jahr ist dann nicht unbedingt ein Rückschritt. Man lernt die Stadt kennen, hat eine Adresse und kann später entscheiden, in welchem Viertel man überhaupt dauerhaft wohnen möchte.
WG kauft Staubsauger gemeinsam.
Drei Jahre später zieht jemand aus.
Jetzt beginnt die Eigentümerversammlung.
„Wir haben damals alle 40 Euro gezahlt“ ist korrekt und leider noch kein Transportplan.
Seit ich häufiger von zu Hause arbeite, würde ich bei einer WG auf andere Dinge achten als früher.
Eine Party am Samstag wäre mir ziemlich egal. Zwei Menschen, die montags gleichzeitig Videocalls in der Küche führen, deutlich weniger.
WG-Kompatibilität hängt offenbar auch vom Arbeitsmodell ab.
Ich bin mit 31 aus einer WG in meine erste Wohnung allein gezogen.
Die ersten zwei Wochen waren fantastisch. Alles lag genau dort, wo ich es hingelegt hatte. Niemand hat meine Milch genommen. Bad immer frei.
In Woche drei saß ich abends beim Essen und habe gemerkt, dass seit meiner Rückkehr von der Arbeit kein Mensch mit mir gesprochen hatte.
Alleine wohnen ist für mich trotzdem richtig. Ich hatte nur unterschätzt, dass auch die nervigen WG-Momente soziale Momente waren.
Das beste an meiner WG mit Anfang 30 ist, dass niemand mehr versucht, daraus eine Familie zu machen.
Wir essen manchmal zusammen, trinken mal ein Bier in der Küche und helfen uns, wenn etwas ist.
Aber wenn jemand die Tür zumacht, ist die Tür zu.
Für mich funktioniert WG erst richtig gut, seit wir alle verstanden haben, dass man nicht ständig gemeinsam WG machen muss.
Ich wohne mit 30 noch in einer WG und der Hauptgrund ist ziemlich unspektakulär: Es rechnet sich.
Allein würde ich für weniger Platz deutlich mehr zahlen. So habe ich ein großes Wohnzimmer, eine ordentliche Küche und am Monatsende mehr übrig.
Dafür stehe ich manchmal morgens vor einer vollen Waschmaschine und weiß nicht, wem sie gehört.
Im Moment kann ich damit leben.
WG kann mit 30 auch einfach eine Entscheidung zwischen Wohnformen sein.
Ein gutes Zimmer zehn Minuten von der Arbeit entfernt gegen eine kleine Wohnung 45 Minuten draußen ist nicht automatisch „WG gegen Erwachsensein“. Es sind zwei verschiedene Arten, Geld und Zeit auszugeben.
In vielen WGs laufen Internet, Strom, Kaution oder irgendein gemeinsamer Vertrag faktisch über eine Person. Solange niemand auszieht, merkt man davon wenig. Beim Wechsel eines Mitbewohners zeigt sich plötzlich, wie viel WG-Infrastruktur eigentlich an einem einzelnen Namen hing.
Bei „mit 30 noch WG“ steckt im Wort noch erstaunlich viel Bewertung.
Ob jemand Rechnungen bezahlt, Haushalt macht, Verantwortung übernimmt und sein Leben organisiert, erkennt man aber kaum daran, ob hinter der Wohnungstür noch zwei andere Namen stehen.
Eine eigene Klingel ist kein Reifezertifikat.
Bei einer WG wäre mir mit 30 das genaue Alter der anderen weniger wichtig als ihr Alltag. Jemand mit 24, der morgens arbeitet und abends Ruhe mag, kann besser passen als jemand mit 32, dessen Küche jeden Mittwoch um Mitternacht zum Treffpunkt wird. Lebensrhythmus schlägt Geburtsjahr ziemlich schnell.
Wenn drei Berufstätige gut verdienen und regelmäßig über Bad und Küche diskutieren, würde ich eine gemeinsam bezahlte Putzhilfe zumindest nicht für absurd halten. Natürlich kann man selbst putzen. Man kann aber auch entscheiden, dass ein Teil des WG-Budgets lieber Geld als jeden Sonntag schlechte Stimmung kostet.
Eine WG wird erstaunlich friedlich, wenn nicht jedes Joghurt Eigentumsfragen aufwirft. Eigene Lebensmittel, ein klarer Bereich im Kühlschrank und vielleicht ein paar gemeinsam bezahlte Basics wie Salz, Öl oder Spülmittel reichen oft völlig. Gemeinschaft muss nicht bedeuten, dass der komplette Supermarkteinkauf kollektiviert wird.
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